Tier-kompakt

Beiträge und Tests rund um die lieben Vierbeiner

Archiv für November, 2008

26, Nov 2008

“Verurteilt – Christine W. erhält ein Jahr und neun Monate auf Bewährung

Das Landgericht in Kiel hat heute überraschend das Urteil gegen die wegen Tierquälerei angezeigte ehemalige Weltcup-Reiterin Christine W. gesprochen. Ein Jahr und neun Monate auf Bewährung erhielt die Dressurreiterin, außerdem wurde ein dreijähriges Tierhaltungsverbot ausgesprochen. Ebenso lange ist der 60-Jährigen der berufsmäßige Umgang mit Pferden verboten. Einzige Ausnahme: Handeln darf die Weltcupfinalistin auch weiterhin.

Des weiteren muss sie 150 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten. Wie diese genau aussehen sollen, hat das Gericht noch nicht mitgeteilt. Im Anschluss an die Urteilsverkündung akzeptierte die Angeklagte das Urteil, das somit rechtskräftig ist. Am frühen Nachmittag hatte sie die Taten gestanden.

In dem jetzt abgeschlossenen Verfahren war es um Vorkommnisse auf dem Hof Immenhorst in Norderstedt im Winter 2006 und Frühjahr 2007 sowie auf dem Brander Hof in Halstenbek im Sommer 2007 gegangen. Mehrere Reiter, die auf der Anlage ihre Pferde stehen hatten, hatten die brutalen Trainingsmethoden im Sommer 2007 angezeigt. Um das Ausmaß der tierquälerischen Trainingseinheiten zu dokumentieren, war u.a. ein Video gedreht und den Ermittlungsbehörden vorgelegt worden (ST.GEORG berichtete). Auch das Verfahren, das letztes Jahr vor dem Amtsgericht Plön wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz auf dem Gut Nehmten stattgefunden hatte, und gegen das Christine W. in Berufung gegangen war, wurde mit dem heutigen Urteilsspruch abgeschlossen. Die Beschuldigte hatte den Revisionsantrag zurückgezogen.

Plötzliches Geständnis

Die überraschende Wende nahm das Kieler Verfahren am heutigen dritten von ursprünglich sieben geplanten Verhandlungstagen. Nach der Prozesseröffnung am Dienstag vergangener Woche und dem zweiten Verhandlungstag am Donnerstag, wurden heute morgen zwei weitere Zeugen gehört. Ihre Aussagen deckten sich im Wesentlichen mit dem, was andere vor ihnen zu Protokoll gegeben hatten: Enges Ausbinden, Longieren auf engstem Radius, Peitschenschläge auf den gesamten Körper, auch auf Hals und Gesicht, übermäßiger Sporeneinsatz, reißende Zügelhilfen.

In der Mittagspause hatten die Prozessbeteiligten eine Absprache getroffen. Christine W. würde die Taten gestehen. In der Urteilsverkündung des Richters wurde deutlich, dass dies das Urteil gemildert hat: „Sie taten gut daran, heute mit uns das Gespräch zu suchen, Frau Wels“, sagte der vorsitzende Richter. Wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz in zehn Fällen wurde die Dressurreiterin schuldig gesprochen. Drei Jahre sieht das Gesetz als Höchststrafe vor, wenn jemand Wirbeltieren aus Rohheit erhebliche Schmerzen, Leiden oder länger anhaltende, sich wiederholende Schmerzen oder Leiden zufügt. Ein Jahr und neun Monate lautete der Urteilsspruch – auf Bewährung, weil außer einem dreimonatigen Fahrverbot wegen Trunkenheit am Steuer nichts gegen Christine W. vorgelegen habe, sagte der Richter. Gleichzeitig betonte er, dass die Bewährungsdauer auf vier Jahre festgelegt wurde.
Zuvor hatten die beiden Gutachter, Prof. Dr. Peter Stadler und Olympiasieger Thies Kaspareit, Leiter der Akademie des Pferdes bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), ihre Standpunkte dargestellt. Tiermediziner Stadler hatte das Schmerzempfinden der Pferde im Fokus, Kaspareit betonte, dass die berichteten und auf dem Video zu sehenden Ausbildungsmethoden in keinster Weise mit den in den “Richtlinien für Reiten und Fahren” formulierten Grundsätzen in Einklang zu bringen seien. Einer der zentralen Punkte in dem Regelwerk besagt, dass Trainingseinheiten systematisch und für das Pferd nachvollziehbar sein müssen. Auf die Gutachterworte hob auch der Richter in der Urteilsbegründung ab und bemängelte u.a. fehlende Lösungs- und Erholungsphasen. „Ein Pferd weiß nicht, was los ist, wenn es gleich bestraft wird, so etwas kann man nicht machen“. Ferner appellierte er an die Verurteilte, dass sie sich der besonderen Bedingungen des Prozesses, vor allem das große öffentliche Interesse, zu vergegenwärtigen.

“unter scharfer Beobachtung der Öffentlichkeit”

Das große mediale Interesse – die Verteidiger hatten zum Prozessauftakt von „Dienstleistungsenthüllern“ und „vermeintlich investigativem Journalismus“ gesprochen – würde zur Folge haben, dass die Reiterin fortan unter „scharfer Beobachtung der Öffentlichkeit“ stünde. An W. gewandt mahnte der Richter: „Viele Leute werden ihnen auf die Finger gucken. Ändern Sie Ihr Verhalten, wenn Sie mit Pferden umgehen, sonst müssen sie Ihre Strafe verbüßen.“ Selbst wenn es nur zu kleineren Auffälligkeiten käme, gab der Richter zu Bedenken: „Das kriegen wir mit!“
Unterm Strich bleibt die Frage, wie das Tierumgangsverbot zu bewerten ist. Nach dem Plöner Verfahren, war auf Antrag der Verteidigung dieses Verbot in ein berufsmäßiges Umgangsverbot abgewandelt worden. Im heutigen Urteil ist von einem Tierhaltungsverbot die Rede, trotzdem wird der berufsmäßige Umgang gesondert verboten und der Handel ausdrücklich erlaubt. Zu einer Stellungnahme, ob das Tierhaltungsverbot auch privates Reiten einschließt, war nach der Urteilsverkündung niemand bereit.”

Quelle: St Georg News

19, Nov 2008

Hier die neusten – und unfassbaren – News aus dem aktuellen Prozess von Christine Wels aus Plön: 

Dank einem Kommentar von Sören, hier der Artikel aus der shz.de 

“Die Pferdequälerin: Polizeischutz vor Gericht

Sie kannte kein Erbarmen, ihre Pferde stöhnten und bluteten. Immer wieder Brach sie den Willen der Tiere mit brutalen Methoden. Zum Auftakt des Prozesses mussten nun Polizisten Reiterin Christine W. schützen.

Die Angeklagte Christine Simone-Anke Auguste W. (60) mit ihren Anwälten Andreas Schulz (li.) und Oliver Wallasch (re). Foto: dpa
Die Polizei ist mit acht Mannschaftswagen angerückt. Beamte einer Einsatzhundertschaft sichern alle Eingänge des Kieler Landgerichts. Die Angeklagte hat Morddrohungen erhalten. Dressurreiterin Christine W. (60) soll Pferde erbarmungslos traktiert und gequält haben. Im Internet kann sie nun lesen, dass man ihr die Zähne mit einer Zange herausreißen würde, sollte man ihr begegnen.

Justizbeamte durchsuchen alle Zuschauer, die dem Prozess in Saal 232 beiwohnen wollen. Mit Metalldetektoren wie am Flughafen. Das Gesicht von Christine Simone-Anke Auguste W., so ihr vollständiger Name, wirkt verbittert, angespannt und müde, sie wird zu den Vorwürfen schweigen.

“Sie schlug unaufhörlich auf das Pferd ein”

Die ehemalige Weltcup-Teilnehmerin ist angeklagt, von September 2006 bis Juni 2007 in Norderstedt (Kreis Segeberg) und Halstenbek (Kreis Pinneberg) in 15 Fällen Pferden aus Rohheit erhebliche Schmerzen zugefügt zu haben. “Sie schlug unaufhörlich auf das Pferd ein, riss am Zügel, so dass das Tier Verletzungen im Maul erlitt und an den Flanken dicke Striemen hatte”, sagt der Staatsanwalt über das Leiden der Fuchsstute “Wolke”. Von einer anderen Reiterin angesprochen, habe Christine W. geantwortet: “Was wollen Sie eigentlich, das Pferd blutet ja gar nicht.” Auch mit der Gerte habe die Angeklagte immer wieder zugeschlagen, Pferde durch harte Tritte mit Sporen misshandelt und ihnen die Köpfe mit Ausbindezügeln qualvoll tief gegen die Brust gedrückt.

Es gibt einen Beweis dafür, wie Christine W. mit den ihr anvertrauten Pferden umging – einen Videofilm. Die Verteidiger würden gerne verhindern, dass er gezeigt wird: “Wenn wir diese Bilder sehen, brennen sie sich ein”, erklärt Rechtsanwalt Oliver Wallasch. “Das kann man nicht mehr wegwischen.”

Christine W. missachte alle ethischen Grundsätze

Das ist wahr. Was in dem Dressurviereck des Reiterhofes Immenhorst in Norderstedt heimlich gefilmt wurde, lässt die Zuschauer im Gerichtssaal verstummen. Rund vierzig Minuten wehrt sich die braune Fuchsstute “Wolke” verzweifelt gegen Schläge, Sporentritte und ruckartiges Reißen am Zügel – dreht sich im Kreis, bockt, bäumt sich auf, stöhnt, schweißnass und in Panik. Ihre Reiterin, Christine W., macht ungerührt weiter und gönnt dem Tier nur zum Telefonieren vom Sattel aus eine kurze Pause.

“Das Pferd will sie loswerden”, kommentiert Reiterin Anita Friske (21) aus Groß Nordsee die Bilder. “Die Bewegungen des Schweifes zeigen, wie groß Angst und Schmerzen dieses Tieres sind. Das ist kein Training, ich weiß gar nicht, was das soll.” Dieter Stut, Geschäftsführer der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, meint: “Das Pferd wird nur gequält nach dem Motto: Dich werde ich schon kleinkriegen.” Christine W. missachte alle ethischen Grundsätze des Pferdesports und der Turniersportbedingungen, verstoße gegen das Tierschutzgesetz.

Trotz Berufsverbots quälte sie weiter

Das Video ist im Mai 2007 enstanden. Zu dieser Zeit war Christine W. wegen der Misshandlung von Pferden bereits rechtskräftig mit einem Berufsverbot belegt. Auch dieser Verstoß wird nun verhandelt. Ihre Einnahmen aus dem betreffenden Zeitraum, 23.000 Euro, hat der Staat eingezogen. Im September 2007 folgte eine Verurteilung wegen Tierquälerei durch das Amtsgericht Plön. Christine W. ging nach Dänemark. Und auch dort wurde sie bei der Misshandlung von Pferden gefilmt.

“Frau W. hat eine gefühllose, das Leiden der Tiere missachtende Gesinnung”, sagt der Staatsanwalt. Der Prozess wird Donnerstag fortgesetzt. In sieben Verhandlungstagen sollen zehn Zeugen und zwei Gutachter gehört werden.”
 

17, Nov 2008

Morgen (18.11.2008)  ist es soweit, der Prozess gegen die Pferdequälerin Christine W. geht in die nächste Runde. Der Prozess ist auf sieben Verhandlungstage angesetzt. Dieser Prozess kann und wird hoffentlich bahnbrechend für die Reiterei und deren Ausbildungsmethoden werden.

Es folgt ein wirklich gelungener Artikel aus der BILD, und wen der Verlauf des Prozesses interessiert, der findet HIER die Infos.

“Am Dienstag beginnt in Kiel der Prozess gegen die bekannte Pferdetrainerin Christine W. (Foto, oben, 60). Sie ist angeklagt, in 15 Fällen ihre Tiere bei der Dressur gequält zu haben. Das Urteil könnte die Ausbildungsmethoden im gesamten Pferdesport verändern

Die Fuchsstute Wolke hat keine Chance. Die Reiterin auf ihrem Rücken schlägt immer wieder mit der Peitsche zu, stößt ihr die spitzen Rädchensporen mit aller Kraft in den Bauch. Wolke kann den Kopf kaum bewegen, das eng gebundene Zaumzeug nimmt ihr jegliche Bewegungsfreiheit. Aus Verzweiflung schlägt die Stute aus. Die Reiterin setzt zur harten „Ruckparade“ an, reißt so den Kopf des Pferdes herum. Nach etwa 60 Minuten Martyrium hat Wolke offene Wunden an den Flanken und dicke Striemen am Köper, ihr Maul ist verletzt, der ganze Leib schaumnass.
Die Reiterin, die Wolke so zugeritten haben soll, wird später behaupten, dass ihr Verhalten „mit Tierquälerei nichts zu tun hat“. Und: „Natürlich habe ich eine strenge Hand, aber manche selbstbewussten Pferde brauchen das, damit sie den Reiter als Alphatier akzeptieren.“ Die Frau, die diese Meinung vertritt, ist die ehemalige Dressur-Weltcup-Reiterin und Pferdeausbilderin Christine W. (60) aus Norderstedt bei Hamburg. In der Dressurszene keine Unbekannte. Die gebürtige Rostockerin hat einige Pferde geschliffen, die später bei den Olympischen Spielen antraten. Viele Nachwuchspferde, die sie ausbildete, konnten gewinnbringend verkauft werden.

Dennoch gelten die rauen Methoden der Christine W. seit Langem als umstritten, riefen immer wieder Tierschützer auf den Plan. Jetzt mit weitreichenden Konsequenzen: Am Dienstag beginnt vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Kiel der Prozess gegen Christine W. Die Dressurlehrerin ist angeklagt, in 15 Fällen, darunter auch dem eingangs geschilderten Vorfall mit Fuchsstute Wolke, einem Wirbeltier aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden zugefügt zu haben.

Für den Prozess werden erhöhte Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Viel wütende Tierschützer haben sich angekündigt, außerdem kursieren im Internet wüste Beschimpfungen und Morddrohungen gegen die Angeklagte.

Doch in dem Verfahren wird es nicht nur um eine mögliche Strafe für Christine W. gehen. Experten der Szene interessiert vor allem folgende Frage, die nun erstmals per Gericht zu entscheiden ist: Was darf man Pferden antun, um sie für internationale Wettkämpfe konkurrenzfähig an den Start zu bringen? Oder: Wo hört Tiertraining auf und fängt Tierquälerei an?

Fakt ist: Christine W. fiel in der Vergangenheit mehrfach wegen ihrer umstrittenen Trainingsmethoden auf. Der Prozess in Kiel ist bereits das zweite Verfahren gegen sie. Die Pferdetrainerin hat seit 2007 Berufsverbot, dennoch machte sie weiter. Nicht in Deutschland, aber in Dänemark. Dort spürten Journalisten und Tierschützer sie vor wenigen Monaten auf, filmten Christine W. heimlich bei ihrer Arbeit.

Dort entstanden auch die Fotos, die BILD am SONNTAG auf dieser Seite zeigt. Es sind Bilder aus dem Stall der weinenden Pferde. Sie zeigen verängstigte Tiere mit vom Schrecken geweiteten Augen, mit blutenden Wunden. Wie es zu diesen Fotos kam, kann sich Christine W. nicht erklären, sie hält die Aufnahmen für „kein authentisches Bildmaterial“, sondern für eine bewusste Fälschung.

Auch wenn diese Aufnahmen in Dänemark im erneuten Prozess gegen Christine W. keine Rolle spielen und die Dänen auch nach Aussage der Angeklagten nicht gegen sie ermitteln, ist eines deutlich zu erkennen: Den Pferden auf den Fotos geht es nicht gut. Vermutlich spüren sie sogar starke Schmerzen, auch wenn keine Tränen fließen.

Für den Verteidiger von Christine W. ist die Frage des Schmerzempfindens von Pferden ebenfalls im Prozess dringend zu klären. „Wie ist Schmerz in einem Strafverfahren beweisbar?“, fragt Anwalt Andreas Schulz aus Berlin. Für ihn handelt es sich um eine Grundsatzentscheidung: „Der Fall steht auch stellvertretend für die Frage, ob und in welchem Umfang professioneller Dressursport in Deutschland per Gesetz noch erlaubt ist.“

Spüren Pferde Schmerzen wie wir Menschen?„Ja“, sagt Dr. Werner Josef Meuser (44), Tierarzt und Spezialist für Schmerzerkennung bei Pferden. „Die Schmerzempfindungen sind auf jeden Fall ähnlich.“ Die Struktur des zentralen Nervensystems sei bei Pferd und Mensch gleich. Auch Schmerzmittel würden wie bei Menschen wirken. Meuser: „Wenn Pferden etwas weh tut, können sie stöhnen, die Oberlippe nach oben rollen, die Nüstern blähen und eine bis zu fünffach erhöhte Herzfrequenz haben – je nach Intensität des Schmerzes.“

In dem Kieler Prozess werden sich nun also die Gutachter darüber verständigen, ob die Trainingsmethoden der Christine W. für die Pferde zumutbar sind oder nicht. Dazu gehören laut Zeugenaussagen Schläge mit der Peitsche, der heftige Einsatz von Sporen, die enge Kandare. So sollen die ständig misshandelten Pferde bereits vor dem Reiten mit Schaumbildung im Maul und Durchfall reagiert haben. Ein von der Staatsanwaltschaft beauftragter Gutacher stellte dazu fest: „Diese ständigen beschriebenen Strafmaßnahmen sind ohne Zweck und ohne Sinn. Sie haben keinerlei Ausbildungsbedeutung für das Pferd.“

Christine W. sieht das anders: „Natürlich nehme ich Pferde konsequent ran, aber das gehört zu einer guten und professionellen Ausbildung nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt dazu.“ Christine W. fühlt sich durch den von ihr beauftragten Gutachter Klaus Hasselfeldt bestätigt. Er kommt zu dem Schluss, „dass weder Haltung noch die Pflege der beurteilten Pferde Anlass zu tierquälerischen Handlungen gab“. Der Experte räumt jedoch ein, dass ihre Ausbildungsmethoden teilweise „außerhalb der Norm“ lägen.

Dazu gehört laut Anklage auch, dass das Pferd Willi während einer Trainingseinheit so sehr mit Sporen-Tritten traktiert worden sein soll, dass sein Brustkorb blutverschmiert war. Christine W. sieht sich als Spezialistin für schwierige Fälle: „Ich habe vielfach Pferde von Kunden zur Korrektur bekommen, weil ihre Pferde für sie nicht reitbar waren und so eine Gefährdung für Pferd und Reiter darstellten.“´

Der Sachverständige der Staatsanwaltschaft kann solche Methoden nicht nachvollziehen. Sollte dieses Prozedere üblich sein, „dann müsse der Dressursport und die Ausbildung von Pferden verboten werden“.

Eine Meinung, die sogar Christine W. vertritt: „Ich bin nicht das schwarze Schaf des Dressursports, alle anderen Leistungsträger arbeiten wie ich“, sagt sie zu BILD am SONNTAG. Die Angeklagte ist sich sicher: „Die reiterliche Ausbildung war auch immer so und wird es bleiben. Es sei denn, ein höchstrichterliches Urteil in Deutschland würde die professionelle Dressurausbildung letztendlich als tierschutzwidrig verbieten.“

Auf sieben Verhandlungstage ist das Verfahren in Kiel angesetzt. Zehn Zeugen und zwei Sachverständige sind geladen. Im Fall einer Verurteilung drohen Christine W. bis zu drei Jahren Haft oder eine Geldstrafe. Wenn es nach Christine W. ginge, wäre eine Zukunft ohne ihre Tiere eine der höchsten Strafen: „Meine Pferde lieben mich“, sagt sie, „und ich liebe meine Pferde.“

Bild.de

13, Nov 2008

“Kaum ist es Herbst geworden, sind sie wieder da, die vielen Meldungen in der Presse: Eine explosionsartige Vermehrung von Wildschweinen bedrohe die Landwirtschaft. Wildschwein-Horden würden unsere Städte und Dörfer heimsuchen. Der Straßenverkehr sei gefährdet durch Wildschweine auf der Fahrbahn… Ein nahezu apokalyptisches Bild wird da gezeichnet. Wie gut, dass es die Jäger gibt, unsere Retter in der Not. – Aber Moment mal: Wird da nicht der Bock zum Gärtner gemacht? Warum ist denn die Sozialstruktur der Wildschweine so aus den Fugen geraten?

Norbert Happ, der bekannteste Wildschweinkenner in Deutschland, – selber Jäger – ist überzeugt: Die Nachwuchsschwemme ist hausgemacht! Denn für die explosionsartige Vermehrung der Wildschweine seien die Jäger selbst verantwortlich: »Ungeordnete Sozialverhältnisse im Schwarzwildbestand mit unkoordiniertem Frischen und Rauschen und unkontrollierbarer Kindervermehrung sind ausschließlich der Jagdausübung anzulasten«, so Happ.

Wildschweinschwemme „hausgemacht”: Jagd führt zur Vermehrung der Wildschweine
Mutter Natur hatte eigentlich alles hervorragend geregelt: Erfahrene weibliche Wildschweine, die Leitbachen, sorgen für die Ordnung in der Rotte und für Geburtenkontrolle. Die Hormone der Leitbachen bestimmen die Empfängnisbereitschaft aller Weibchen der Gruppe und verhindern, dass zu junge Tiere befruchtet werden. Männliche Tiere (Keiler) statten den Rotten nur Besuche zur Paarung ab. Fehlen die Leitbachen, weil sie bei der Jagd getötet wurden, löst sich die Ordnung auf: Führungslose Wildschweine brechen in die Felder ein. Und junge Bachen sind schon unter einem Jahr empfängnisbereit und bekommen Frischlinge. “Während früher Wildschweine einmal im Jahr Nachwuchs bekamen, gibt es jetzt drei mal im Jahr Junge”, so der Biologe Kurt Eicher von der Initiative zur Abschaffung der Jagd.

Jäger karren Unmengen von Futter in den Wald
Weil Jäger gerne Wildschweine schießen, diese Tiere aber in der Regel schlauer sind, versuchen die Jäger Wildschweine mit Futter anzulocken, um sie vor die Flinte zu bekommen. Diesen “Trick” nennt der Jäger “Kirrung”. Und weil Jäger gerne viele Tiere vor die Flinte bekommen möchten, sorgen sie für die Vermehrung der Wildschweine – und so wird so manche Kirrung eine ganz ordentliche Futterstelle…

Die Wildforschungsstelle Aulendorf ermittelte, dass allein in Baden-Württembergs jährlich 4000 Tonnen Mais als „Kirrung” ausgebracht werden – das sind für ein erlegtes Wildschwein im Schnitt etwa 100 Kilo (!) Mais – in manchen Revieren sogar über 400 Kilo! Hinzu kommt die Fütterung mit Kraftfutter im Winter, die noch mal in ähnlicher Größenordnung liegen dürfte – und die vielen illegalen Fütterungen, die Naturschützer und Jagdgegner immer wieder aufdecken und zur Anzeige bringen. Der NABU-Jagdexperte Michael Hug weist darauf hin, dass Wildschweine „gemästet werden wie ein Hausschwein”.

Gerade die Fütterung mit Mais fördert wegen seinem sehr hohen Stärkeanteil (im Gegensatz zur natürlichen Nahrung) die Fruchtbarkeit der Bachen – und kurbelt damit die Vermehrung der Wildschweine an. Selbstverständlich sind die Jäger dann gerne bereit, diese (jägergemachte!) Vermehrung wieder zu dezimieren…

Jäger geraten immer mehr in die Kritik – und müssen ihr blutiges Hobby rechtfertigen.
Die Jagd ist heute ein Hobby, ein Freizeitvergnügen – und in ihren Jagdzeitschriften geben die Jäger ihre “Lust am Töten” und “Freude am Beutemachen” inzwischen offen zun. Dieses Hobby-Töten kann die überwiegende Mehrheit der Menschen heute nicht mehr gutheißen. Repräsentative Umfragen der letzten Jahre zeigen übereinstimmend: 70-80% der Deutschen stehen der Jagd kritisch gegenüber oder fordern sogar die Abschaffung der Jagd. (Quellen: GEWIS-Institut 1996; GEWIS-Institut 2002; EMNID-Institut 2003, EMNID-Institut 2004) Und darum verbrämen die Jäger ihr blutiges Hobby in der Öffentlichkeit und behaupten, Jagd wäre notwendig, weil sonst die Wildschweine alle Felder verwüsten und die Rehe den Wald auffressen…

Zusammenfassung : Ursache der Wildschwein-Misere: Die Jäger
Jagd: Nebenform menschlicher Geisteskrankheit

Der erste Präsident der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss, schrieb am 1.12.1955 an seine Briefpartnerin Toni Stolper in New York:

„Zur `Jagd´ dies: Jägerei ist eine Nebenform von menschlicher Geisteskrankheit, von der ich nie befallen war. Aber: sie ist. Auch Diplomaten und Staatsmänner, die dafür gelten, die sich dafür halten, sind davon befallen… Ich habe nie eine Flinte in die Hand genommen und mir nie, wie alle anderen, ein Jagdkostüm angeschafft, sondern spaziere im Straßenanzug.”

(Theodor Heuss: Tagebuchbriefe 1955-1973, hg. V. Eberhard Pikart, Tübingen/Stuttgart 1970, S. 106)

Quelle: http://indemini.tierschutznews.ch/?p=832

12, Nov 2008

Unter Pferdehaltern gibt es – wie unter allen anderen Gleichgesinnten auch – bei einer Frage mindestens zwei Antworten. Dies ist in der Regel nicht schlimm, wenn jeder kann und sollte seine Meinung äußern.

Wann es aber nicht mehr akzeptabel ist, ist abhängig vom Wohl des Pferdes. So haben einige Pferdehalter die Auffassung, dass eine Endoskopie oder auch Bronchoskopie ohne eine Sedierung vorgenommen werden kann. Wer die hohe Bedeutung der Endoskopie schätzen kann, der sollte wissen und akzeptieren, dass das Pferd in ruhigem Zustand behandelt werden muss.

Die Endoskopie wird in der Regel dann gemacht, wenn das Pferd an Pferdehusten erkrankt ist und der Tierarzt die Menge an Schleim und den Zustand der Atemwege untersuchen möchte. Oftmals hustet das Pferd, aber beim Abhorchen scheint es gesund zu sein. Dieser Trugschluss kann im schlimmsten Fall zu einer chronischen Atemwegsentzündung führen. Mit dem Endoskop kann der Tierarzt bis zur ersten Aufzweigung der Luftröhre eindringen.

Die Bilder vom Kehlkopf, der Luftröhre und den Bronchien geben dem Tierarzt dann das einzige echte Abbild darüber, wie schwer der Pferdehusten ausgeprägt ist. Auch der Pferdebesitzer kann über die Kamera einen Einblick über die Erkrankung seines Pferdes erhalten.

In jedem Fall ist die Beruhigung des Pferdes – also die Sedierung – mit geeigneten Mitteln hilfreich. Bei einem zappelnden Pferd werden die empfindlichen Schleimhäute womöglich verletzte und eine klare Aufnahme der Situation ist in keinem Fall möglich.